Longierlehrgang der Landeskaderpferde Voltigieren
Im Voltigiersport nimmt die Pferdenote eine immer wichtigere Rolle ein. So sind z.B. auf den Deutschen Meisterschaften Richter nur für die Vergabe der Pferdenote zuständig.
Diese Neuerung nahm der Landestrainer Voltigieren Herr Holger Janssen zum Anlassen, einen geeigneten Ausbilder „Longieren von Voltigierpferden“ zu suchen.
Mit Rainer Hilbt aus Münster wurde er sehr kompetent fündig. Als Buchautor, Ausbilder an der Fachschule für Voltigieren in Hohenhameln und als Lehrgangsleiter ist Reiner Hilbt hoch anerkannt und deshalb auch sehr gefragt. Schnell war mit dem Reitverein Bad Ems und seiner großzügigen Halle ein optimaler Trainingsplatz gefunden worden.
Teilnahmeberichtigt waren die Ausbilderinnen der Kaderpferde Rheinland Pfalz und besonders geladene Gäste. Am Freitagabend ging es los. Nach kurzer Besprechung wurden die einzelnen Pferde vorgestellt und von jeder Longerführerin der spezielle Wunsch aufgenommen der Samstag und Sonntag praktisch erarbeitet werden soll. Es ging von „Mein Pferd hört mir nicht zu und es konzentriert sich nicht auf mich“ bis hin zu „beim Stehen wird mein Pferd immer langsamer“. Herr Hilbt nahm das gleich zum Anlasse noch zwei Stunden Theorie anzuhängen. Es wurde über die Skala der Ausbildung und die Möglichkeiten der Einfach Longe und Doppellonge diskutiert. Mit welchen Ausbindern und Hilfsmitteln kann ein gestrecktes Ziel erreicht werden. Herr Hilbt erläuterte, dass er bei den meisten Longierlehrgängen Voltigierpferde sehen würde die im Trab viel zu eilig sind und im Galopp nicht genügend unterspringen. Ebenso würde er immer wieder Ausbilder sehen deren Kommunikation mit dem Pferd zusammenbricht, sobald ein Voltigierer zwischen ihm und dem Pferd läuft. Eines seiner Ziele war es, zu schauen ob diese Probleme auch bei den rheinland-pfälzischen Pferden gegeben sind.
Der Samstag war vom Pferdesportverband Rheinland-Pfalz zusätzlich als Fortbildungsveranstaltung für Ausbilder und Trainer ausgeschrieben worden. Mit den über 30 Anmeldungen war der Lehrgang komplett ausgebucht und so konnten immer wieder interessante Fragen aus dem Publikum in den Lehrgang mit einbezogen werden.
Vormittags wurden drei erfahrene Voltgierpferde longiert. Hier zeigte sich dass die Pferde im Trab zu eilig liefen und im Galopp nicht durchspringen. Erfahrung bestätigt! Durch Änderung der Peitschenhaltung und der Verschnallung der Ausbinder konnte Herr Hilbt dieses Problem sehr schnell lösen.
Herr Hilbt legt sehr großen Wert auf gute Übergänge innerhalb der Gangart und zwischen den Gangarten. Wie bei den Dressurreitern sollte die Last auf die Hinterbeine aufgenommen werden. Immer wieder kam die Frage „War das ein guter Übergang?“ und es wurde eine Antwort erwartet die in den meisten Fällen ein "Nein" war. Die konsequente Arbeit zeigte jedoch, dass die Pferde immer durchlässiger wurden. Nun konnten die Ausbilderinnen auch beim Anlaufen ihrer Voltigierer die Pferde problemlos weiter treiben. Fragende Gesichter bei den Sportlern löste Herr Hilbt in dem Augenblick aus wo er sagte „Aufknien“ und gleichzeitig kam das Kommando Mittelgalopp. Ziel war es immer wieder den Galopp der Pferde zu verbessern.
Der Nachmittag stand im Zeichen der Nachwuchspferde. So wurde an einem Pferd gezeigt wie Dominanztraining funktioniert und wie der Longenführer die Aufmerksam des Pferdes auf sich lenken kann und nicht auf all die interessanten Sachen am Rande. Ziel war es den Pferden Abwechslung zu bieten. Korrekte Übergange, Zirkel verlagern, Zirkel verkleinern und vergrößern, 3-4 Schritte gerade aus longieren und dann wieder auf die Kreislinie. Es musste immer Interessant und Abwechslungsreich für die Pferde sein damit sie mitmachen. Hierbei ist jedoch wichtig, dass der Ausbilder erkennt wann Schrittpausen ohne Ausbinder notwendig sind und wann das Pferd müde ist und oder sich nicht mehr konzentrieren kann.
Fazit der begeisterten Zuschauer am Rand „war das toll, konnte man da viel sehen, hat der Mann ein gutes Auge für die unterschiedlichen Probleme der Pferde.“
Am Sonntag waren dann die Ausbilder unter sich und arbeiteten an dem erlernten des Vortages weiter. So wurden andere Ausbindemöglichkeiten wie z.B. Gogue ausprobiert. Immer wieder das Ziel vor Augen, das sich das Pferd dehnen soll um sich irgendwann selber Tragen zu können. Herr Hilbt zeigte wie durch Bodenarbeit die Längsbiegung verbessert werden kann und wies die Ausbilder in die hohe Kunst der Doppellongenarbeit ein. Durch Nachfragen bei den Ausbilderinnen und den Voltigierern wurde immer wieder überlegt ob das getane auch zu dem erwünschten Ziel führt. Bei Nein wurde gleich wieder was verändert. Es war nie eine Einbahnstraßenausbildung. Jede Ausbilderin erhielt von Herrn Hilbt eine Art Spickzettel, woran an der weiteren Arbeit gedacht werden muss und wo jede einzelne aus ihren gewohnten Bahnen gerüttelt werden muss. Den Ausbildern wurde mit auf den Weg gegeben sich immer mal wieder gegenseitig zu korrigieren. Auch das bringt jeden weiter.
Die Ausbilderinnen des Landeskaders Voltigieren Rheinland-Pfalz bedanken sich ganz herzlich bei Holger Janssen der diesen Lehrgang ermöglicht hat und beim Reiterverein Bad Ems der immer wieder ein toller Gastgeber ist. Tier und Mensch erhalten immer optimale Trainingsbedingungen. Ein danke an die Voltigierer aus Bad Ems die auf jedem unbekannten Pferd ohne Probleme voltigiert haben.
Heike Jacoby, TuWi Adenau
Lehrgangsleiter Rainer Hilbt
